OAG – Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (Tokyo)

Mittwoch, 27. November 2013, 18:30-20:00 UhrGesprächsabend: Was und wie glauben Japaner?

Die japanischen Kaiser haben schon immer die wichtigsten Zeremonien, und zwar die Shintō-Zeremonien, für das Land vollzogen, haben aber seit der Nara-Zeit (710-784) und früher stets den Buddhismus als private Religion benutzt.

Das japanische Wort für „Religion“, shūkyō, wurde erst gegen Ende der Edo-Zeit geprägt. Vielfach nimmt man an, dass shūkyō (Religion) nur solche Lehren betrifft, die einen Gründer, eine oder mehrere heilige Schriften und eine definierte Glaubenslehre besitzen. Es gibt deswegen viele Japaner, die bestreiten, dass der Shintō eine Religion sei. Die gleichen neigen aber dazu, den Buddhismus und den Shintō gleichzeitig zu verehren. Hier ist nun die Frage, was für Japaner „Religion“ und „religiös“ überhaupt ist. Was ist in diesem Zusammenhang eine „religiöse Handlung“? Dies soll am Beispiel der Ema-Votivtafeln betrachtet werden. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich nun Japaner als dem Shintō und/oder dem Buddhismus „angehörend“ sehen. Desweiteren wollen wir betrachten, welche Bedeutung und Rolle die oben erwähnten „Zeremonien“ haben; hier sollen mehrere Deutsche „Augenzeugen“ zu Wort kommen, und ihre ganz aktuelle Meinung als „Außenseiter“ mag ein interessantes Licht aus einer anderen Richtung darauf werfen. Moderatorin: Vera Markert.

Vera Markert studierte Kath. Theologie in Würzburg, arbeitet seit 1985 als Pastoralreferentin in der Diözese Würzburg und seit 2011 in der deutschprachigen kath. Gemeinde St. Michael, Tokyo. Ausgebildet in Geistlicher Begleitung, befasst sie sich mit Meditation und Kontemplation in Christentum und anderen Religionen. Im Rahmen eines Tanztherapiestudiums untersuchte sie nonverbale Ausdrucksformen des Religiösen.

Dr. Ernst Lokowandt studierte Japanologie, Vergl. Religionswissenschaft und Staatsrecht/Staatslehre. Nach seiner Laufbahn bei der OAG und der Tōyō-Universität interessiert er sich z. Zt. für das Zusammengehen von kultischer und politischer Herrschaft.

Dr. Ryofu Pussel, Zen-Mönch seit 2000, ist Associate Professor im Fachbereich „Life Design“ am (buddhistischen) Kyoto Bunkyo Junior College. Er promovierte mit einer Abhandlung über anthropologische, kontemporäre Aspekte des japanischen Buddhismus (Sunderland, England). Desweiteren praktiziert er den japanischen Weg des Tees, und in seinen Fotografien dokumentiert er Menschen in ihren Lebenskreisen in Japan.