Ausstellungen
Montag, 11. September 2006, 10:00 - Sonntag, 17. September 2006, 18:00 Yōko Suzuki-Kaemmerer: „Strom der Zeit“
In der Woche vom 11. – 17. September möchten wir Sie zu einer Ausstellung von Frau Yōko Suzuki Kämmerer einladen, die im OAG Haus in Tokyo ihre Papiercollagen unter dem Titel „Strom der Zeit“ präsentiert.
Die Künstlerin beschreibt ihre Ausstellung wie folgt:
„Strom der Zeit“ handelt vom Wesen des Lebens. Die Unbekümmertheit, in der alltägliche Ereignisse geschehen, erfährt eine Wende, ein Unglück verändert das Leben. Chaos, Schmerz, Tod und Verzweiflung. Dort bricht der alltägliche Rahmen der Menschen auf. Die große Trauer kann nur durch den Verlauf der Zeit und ein irgendwann wiederkehrendes Gefühl der alltäglichen Ruhe verblassen. Das Ende des Leporellos geht zur ersten Szene zurück. Das drückt meinen Gedanken aus, daß sich Geschichte unausweichlich in parallelen Erscheinungen wiederholt.
Hinter der Idee, dieses Buch als Leporello mit kontinuierlichen Szenen zu gestalten, steht die alte japanische Kunstform des Rollbildes, die eine Geschichte bildlich fließend darstellt. Da ich die Technik der Collage benutzt habe, war er nicht möglich, das lange Bild zu rollen, bei der der Fortgang der Geschichte von rechts nach links läuft.
Was meine Papiercollagen betrifft, möchte ich mein Vorgehen näher erklären. Origami, japanisches Faltpapier, mit dem man reizende Objekte falten kann, ist heutzutage in westlichen Ländern bekannt. Weniger bekannt ist dabei, daß es in Japan eine andere Tradition gibt, nämlich Origami mit Fingern zu reißen oder mit der Schere zu schneiden, um Collagen anzufertigen. Nach meinem Kunststudium in Deutschland, bei dem ich mich hauptsächlich mit Malerei, Zeichnen und Keramik beschäftigt hatte, habe ich vor etwa fünfzehn Jahren dieses Origami als Material für Collagen für mich wieder entdeckt. (In Japan hatte ich es im Kindergarten und in der Grundschule oft in die Hand genommen). Den weißen Rand des Papiers, der durchs Reißen entstehen kann, habe ich bewusst als zeichnerische Linien benutzt. Da Origami kleine Formate und nur bestimme Farben hat, habe ich mit der Zeit angefangen, Papier selbst zu bemalen. Je nach Stärke des Papiers und durch Manipulation kann man einen schmalen oder breiten weißen Rand erzeugen. Man kann das gefärbte Papier auch ohne weißen Rand reißen. Daß man trotzdem diesen Prozess nicht huntertprozentig kontrollieren kann, ist mir sympathisch. Bei Gelegenheit reiße ich das Papier spontan und entdecke einen unterwartet interessanten Rand.
Zum Schluss möchte ich einen Einfluss nennen, der sich neben den japanischen Elementen auf meine Collagen auswirkte. Eine Weile habe ich mich mit dem Scherenschnitt von Henri Matisse intensiv beschäftigt. Für Matisse war der Scherenschnitt eine lang gesuchte Synthese, die für ihn Zeichnung und Farbe verband. Das Problem betraf mich zwar nicht, aber die Vereinfachung seiner Werke, die Klarheit, die das Wesentliche zum Ausdruck bringt, fasziniert mich.
Wenn ich Papier nicht reißen, sondern scharf schneiden möchte, benutze ich statt der Schere ein Messer.“




