Montag, 30. März 2026, 18:30–20:00 Prof. hon. Takayama Masaya: „Kreative Reaktionen der japanischen Gesellschaft nach Siebolds Ankunft in Nagasaki – Faktoren der Modernisierung der Industrie in der Meiji-Zeit“

Im Jahr 2026 jährt sich die Reise Siebolds zum Hofe des Shōgun zum 200. Mal.

[…] aber bewaffnette Schiffe mit der amerkanische Flagge tauchten eines Tages vor der Küste von Honshu auf und zwangen die Regierung durch ihre bloße, noch gewaltlose Anwesenheit, die sorgsam gewahrte Isolierung, die Japan so lange der fremden Kolonialherrschaft entzogen hatte, preiszugeben. Aber das Resultat ist ein anderes als man erwartet haben mochte: Japan reagierte mit seiner Erneuerung, es übernahm vom Westen, was es nötig hatte, um seine Unabhängigkeit zu behaupten und verkehrte die Bedrohung sehr rasch in eine verstärkte, ja aggressive Selbstständigkeit. Aber dafür schien es nun mit aller Vergangenheit programmatisch zu brechen: der Begriff der „Erneuerung“ (Meiji-ishin) bezog sich nicht auf die Machtstellung und Souveränität des Reichs, sondern lediglich auf die Wiederherstellung der kaiserlichen Autorität und Herrschaftsansprüche gegenüber dem abgewirtschafteten Shogunat. Japan konnte die rasche Umwandlung und Anpassung nur deshalb wagen, weil es die Energie, die Aufnahmefähigkeit und eine beispiellose Elastizität besaß; auch war man nicht völlig unvorbereitet, man hatte sich, sparsam zwar, doch laufend, über Europa zu infomieren gewußt.

(Aus: Ralph-Rainer Wuthenow, Die Entdeckung Japans durch Philipp Franz von Siebold, OAG-Gedenkschrift, Göttingen, 1966)

Prof. hon. Takayama der Keiō-Universität in Tokyo hat nach seinem letzten Vortrag (29.9.2025) seine Bereitschaft erklärt, sich für das Siebold-Seminar zu engagieren. Wir freuen uns, dass wir Herrn Professor Takayama zum 200. Seminar empfangen können.