Mittwoch, 25. Februar 2026, 18:30–20:00 Prof. Dr. Björn-Ole Kamm: „Vom Hobby zum Bildungsinstrument: Transkulturelle Perspektiven auf analoge Rollenspiele in Japan“

Wie wäre es, für einen Abend in einem fiktiven Untergrundbunker die Post-Apokalypse zu proben – und dadurch neue Perspektiven auf gesellschaftlichen Rückzug zu gewinnen? Oder durch das Bekämpfen eines Drachen zu lernen, sich besser mit anderen auszutauschen? — Analoge Rollenspiele (Tisch- und Live-Rollenspiele) bieten fantastische Welten, in denen die Teilnehmenden eigene Geschichten erschaffen, Spaß haben und Gemeinschaften bilden. Sie bieten aber auch einen sicheren Raum für ko-kreatives Lernen.

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Larp-Szene in einem klassischen Fantasy-Setting © 2019 CLOSS
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Ninja-Bildungs-Larp © 2022 CLOSS.
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Transkulturelle Begegnungen: Japanische
Larper*innen in Deutschland (Foto: Autor)

Der Vortrag führt in die Welt der analogen Rollenspiele als populäre Hobby-Praxis in Japans Freizeitkultur ein, die im Austausch mit globalen Spielkulturen entstanden ist. Aus transkultureller Perspektive beleuchtet er die Adaption des Live-Rollenspiels, das erst ab 2012 – initiiert durch die Übersetzung eines deutschen Regelwerks in Japan Verbreitung fand und seitdem globale Fantasy-Traditionen mit lokalen Gegebenheiten verbindet. Zugleich wird das transkulturelle Lernpotenzial dieser Spiele diskutiert und fragt: Wie kann aus einem „fantastischen“ Hobby eine pädagogische Methode werden? Anhand von Beispielen in Japan wird gezeigt, wie Rollenspiele zur Förderung der Kommunikation oder des kulturellen Verständnisses eingesetzt werden. Als Fallbeispiel stellt der Vortrag ein sogenanntes Bildungs-Larp zum Hikikomori-Phänomen vor, das Außenstehenden die Gefühle sozial zurückgezogener Menschen erlebbar machen soll, um Verständnis und Bewusstsein für das Thema zu fördern.

Prof. Dr. Björn-Ole Kamm promovierte an der Universität Heidelberg und arbeitet seit 2015 in den Transcultural Studies an der Kyoto University, wo er Japans erstes internationales Joint-Degree-Programm in den Geisteswissenschaften koordiniert. Seine Forschung beschäftigte sich mit Stereotypen, Mediennutzung, Gender sowie den grenzüberschreitenden, zirkulären Bewegungen analogen Spielens in und aus Japan (Role-Playing Games of Japan: Transcultural Dynamics and Orderings, Palgrave, 2020; „A Short History of Table-Talk and Live-Action Role-Playing in Japan“, Simulation & Gaming 50, 2019; „Adapting Live-Action Role-Play in Japan“, Replaying Japan Journal 1, 2019). Er ist Chefredakteur der zweisprachigen und begutachteten Diamond-Open-Access-Zeitschrift Japanese Journal of Analog Role-Playing Game Studies (jarps.net). Der Fokus seiner Forschung liegt aktuell auf Live-Rollenspiel als Methode des Wissenstransfers („Transcultural Learning with Role-Playing Games“, Mechademia 17, 2025). Gemeinsam mit Kolleg*innen aus der Psychologie und der Erlebnispädagogik und u.a. gefördert durch die Japan Society for the Promotion of Science hat er Edu-Larps zu sozialem Rückzug und zu den alltäglichen Herausforderungen von Neurominoritäten entwickelt. Derzeit leitet er ein Projekt, das Bildungs-Larps zum Klimawandel entwickelt und deren Lerneffekte evaluiert.

b-ok.de

Zeit: 18.30-20.00 Uhr (Japan), 10.30-12.00 Uhr (MESZ)
Zoom-Link:
https://us02web.zoom.us/j/86145350288?pwd=NDbPoBq843eQhgi5KdhqeoIgRvx6VX.1
Meeting ID: 861 4535 0288
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