Mittwoch, 18. Februar 2026, 18:30–20:00 Tokyo Reihe Florian Busch: „Lernen von Tokyo. Vertikalität als Strategie einer offenen Dichte“

OAG Tokyo Reihe

Seit seinen Anfängen vor über 400 Jahren ist das heutige Tokyo Vorreiter eines bis heute anhaltenden Trends: Urbanisierung.

Vor rund zwei Jahrzehnten übertraf die städtische Bevölkerung weltweit zum ersten Mal die ländliche. Im Jahr 2050 werden zwei Drittel der Menschheit in Städten leben. Nicht das Ob, sondern das Wie ist zur zentralen Frage urbaner Dichte geworden. Und doch hat sich die Antwort darauf weltweit erstaunlich verengt. Verdichtung wird nahezu reflexhaft mit dem Turm gleichgesetzt.

Tokyo erlaubt einen anderen Blick. Dichte entstand hier lange nicht durch Höhe, sondern durch Überlagerung, Nähe und das produktive Nebeneinander von Widersprüchlichem. Edo wuchs von Beginn an nicht durch steuernde Eingriffe von oben, sondern in kontinuierlicher Anpassung an die gegebene Topografie. Noch heute erscheint Tokyo – eine der größten Konurbationen der Welt – eingebettet in ein feinmaschiges Geflecht aus kleinteiliger Durchlässigkeit.

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Einwohnerdichte pro Distrikt in Tokyo © FBA

Als man 1963 in Tokyo die Höhenbeschränkung für Gebäude aufhebt, wird auch hier der Turm zur dominanten Antwort. Und schnell zeigen sich seine Grenzen. Isolierte Objekte stapeln Geschossfläche, während sie das urbane Leben am Boden ausblenden. Der öffentliche Raum verschwindet in privatisierten Sockelzonen, in denen Offenheit organisiert, reguliert und kontrolliert wird.

Tokyo zeigt dennoch überall, dass Vertikalität nicht im Turm enden muss, sondern am Boden beginnen kann. Dass sie nicht trennt, sondern verbindet, und genau dadurch die räumlichen Bedingungen für eine offene Gesellschaft schaffen kann.
Von Tokyo zu lernen, heißt, Vertikalität als urbane Strategie neu zu denken – als Grundlage für eine Dichte, die nicht schließt, sondern öffnet.

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Topografie in Azabu © FBA

Florian Busch lebt seit 2004 Tokyo, wohin er nach dem Studium der Architektur in Weimar und London zog, um bei Toyo Ito & Associates zu arbeiten. 2009 gründete er Florian Busch Architects (FBA) in Tokyo. Durch intensive Forschungsarbeit im Zusammenspiel mit einem weltweiten Netzwerk an Experten aus vielen Bereichen ist ein differenziertes Werk entstanden, das immer wieder über die konventionellen Grenzen der Architektur hinausgeht. Projekte von FBA wurden international mit Preisen ausgezeichnet und finden sich weltweit in Publikationen wieder.
florianbusch.com

Zeit: 18.30-20.00 Uhr (Japan), 10.30-12.00 Uhr (MESZ)
Zoom-Link: https://us02web.zoom.us/j/86274346112?pwd=3iVtG1DRoJVmU1aNHSsOZVo973kVHl.1
Meeting ID: 862 7434 6112
Passcode: 492358

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FBA’s Vertical Landscapes in Tokyo © FBA
Im Anschluss: Eröffnung der Ausstellung von Yamauchi Yū bei einem kleinen Umtrunk im Foyer.